100 Jahre Frauen Empowerment

 (v.l.n.r.) Dr. Andrea Feth, Präsidentin ZC Berlin 1989, Dr. Sabine Röder, Präsidentin ZC Berlin, Dr. Ute Noeske, Area Director Zonta Area 07.

100 Jahre Zonta International: (v.l.n.r.) Dr. Andrea Feth, Präsidentin ZC Berlin 1989, Dr. Sabine Röder, Präsidentin ZC Berlin, Dr. Ute Noeske, Area Director Zonta Area 07. Foto: © Karin Lange

100 Jahre Frauen Empowerment: Jubiläumstour der Berliner Zonta Clubs

Berlin, 08. September 2019 – Rund 50 Zontians aus den drei Berliner Zonta Clubs ZC Berlin, ZC Berlin Mitte und ZC Berlin 1989 versammelten sich am vergangenen Sonntag in leuchtenden Farben an Deck des Ausflugsschiffs der Berliner Reederei Riedel. Auf den Spuren herausragender Berliner Persönlichkeiten ging es zwei Stunden auf Spree und Landwehrkanal durch die Metropole.

 © Karin Lange

Die Bootstour anlässlich des 100sten Jubiläums von Zonta International war ein Hingucker, der auch von Passanten am Ufer begeistert aufgenommen wurde. Foto: © Karin Lange

Auf den Spuren der Frauen dieser Stadt

Kenntnisreich brachte Sema Binia von der Berliner Geschichtswerkstatt den Jubiläumsgästen in kurzen Anekdoten die Biografien von Frauen nahe, deren Wirken weit über Berlin hinaus von Bedeutung für die Stärkung der Rolle der Frauen war. Entlang ihrer jeweiligen am Ufer gelegenen Wirkungsstätten in Kreuzberg, Mitte und Charlottenburg war dabei viel über die Entwicklung der gesellschaftlichen Machtverhältnisse und deren unbarmherzige Auswirkungen zu erfahren.

Sema Binia erinnerte an das „Empowerment" der späteren Königin Luise durch den erzieherischen Einfluss der Schweizer Pädagogin Salomé de Gélieu, an Frauenrechtlerinnen der ersten Stunde wie die Gründerin der Arbeiterwohlfahrt Marie Juchacz, an geistreiche Unternehmerinnen wie die Erfinderin Melitta Bentz, an prägende Diskursstifterinnen wie die Schriftstellerin Rahel Varnhagen von Ense, deren Salon in der Jägerstraße 54 sich abends mit Adligen und Bürgern, Schauspielern und Politikern, Philosophen und Schriftstellern füllte, und an entschiedene Kriegsgegnerinnen wie die promovierte Juristin Rosa Luxemburg, die im Januar 1919 im Zusammenhang mit der Novemberrevolution während des Transports nach einem Verhör im Wagen erschossen wurde. Die Mörder, Angehörige eines Freikorps, warfen ihren Körper in den Landwehrkanal.

Bis hin zu den jüdischen Frauen, die während des Nationalsozialismus bei Siemens als Zwangsarbeiterinnen unter schlimmsten Bedingungen um ihr Überleben rangen, zeichnete der Vortrag von Sema Binia den langen, oft gefahrvollen und bis heute unaufhörlich mühseligen Weg der Durchsetzung der Rechte für Frauen und Mädchen nach.

Sema Binia, Geschichtswerkstatt e. V, (links) und Andrea Feth, ZC Berlin 1989, sorgen für aufschlussreiche Spreefahrt.

Sema Binia, Geschichtswerkstatt e. V., (links) und Andrea Feth, ZC Berlin 1989, sorgen für aufschlussreiche Spreefahrt. Foto: © Karin Lange

Zuvor hatte Clubpräsidentin Andrea Feth vom ZC Berlin 1989 in ihrer Jubiläumsansprache an die Zonta Gründerinnen aus Buffalo, New York, erinnert. Frauen war der Zugang zu den bestehenden Serviceclubs von Rotary und Lions verwehrt. Überhaupt verfügten Frauen damals über keinerlei gesellschaftliches Mitspracherecht. Erst ein Jahr nach der Gründung von Zonta am 8. November 1919 durch die Frauen um Marian de Forest, eine der ersten weiblichen Reporterinnen im Western New York State, erhielten Frauen in den USA durch das Inkrafttreten des 19. Zusatzartikels zur Verfassung der Vereinigten Staaten das vollständige Wahlrecht auf allen Ebenen. Auch in Deutschland konnten Frauen bei der Wahl zur Deutschen Nationalversammlung im Januar 1919 überhaupt das erste Mal ihre Stimme abgeben.

„Wir sind leider nicht überflüssig geworden"

Vieles hat die Frauenbewegung seither erreicht. Doch noch heute ist die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Mädchen am gesellschaftlichen Leben keine Selbstverständlichkeit, zählt Gewalt an Frauen und Mädchen auch in Deutschland zu den häufigsten Menschenrechtsverletzungen, haben Frauen in leitenden Funktionen in Politik, Kultur, Medien, Medizin, Wirtschaft und Wissenschaft auch hierzulande den Status von Exotinnen.

24 Jahre nach der Peking Resolution ist der von UN-Generalsekretär António Guterrez im März bei der Sitzung der Frauenrechtskommission der Vereinten Nationen attestierte „backlash" überall auf der Welt und auch in Deutschland nur allzu deutlich spürbar. Damit liegt vor Frauennetzwerken wie dem internationalen Zusammenschluss berufstätiger Frauen Zonta International noch ein weiter Weg intensiver Aufklärungs- und Förderarbeit. Oder wie Andrea Feth in ihrer Rede formulierte: „Zonta hat seine Aufgaben noch nicht erfüllt. Wir sind in diesem Sinne leider noch nicht überflüssig geworden."

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Lebhafte Tischgespräche an Bord. Foto: © Karin Lange

Wichtiger, denn je

In den Tischgesprächen an Bord mit verdienten Vorreiterinnen und ehemaligen Zonta-Präsidentinnen wurde zugleich deutlich, welche Kraft das internationale Netzwerk bis heute entwickelt hat. Hinderliche Konkurrenzgedanken konnten im Austausch miteinander überwunden, zahlreiche Verbindungen geknüpft werden. Zontians kommen zu gemeinsamen Aktionen zusammen durch die Clubtreffen, Konferenzen, Conventions, durch ihre Beteiligung an den Frauenräten, am Europarat, an den UN Versammlungen. Auf allen Ebenen des internationalen Frauennetzwerkes haben sich Freundschaften gebildet, viele über nationale Grenzen und soziale Unterschiede hinweg. Das macht Zonta zunehmend wirkmächtig. Auf den generationenübergreifenden Zusammenhalt kommt es dabei besonders an. In den nächsten Jahren wird das vielleicht wichtiger denn je.