Happy Birthday Zonta!

Am 8. November 2019 gründen Frauen in Buffalo, New York, den ersten Club berufstätiger Frauen. Sie geben ihm einen ungewöhnlichen Namen. Und legen den Grundstein für ein einzigartiges weltweites Netzwerk.

Die Confederation der Zonta Clubs 1919 in Buffalo, New York. Foto|© Zonta International

Die Confederation der Zonta Clubs 1919 in Buffalo, New York. Foto|© Zonta International

Frauenrechte sind weltweit als Menschenrechte anerkannt? Jeder Frau ist es möglich, ihr volles Potenzial zu entfalten? Frauen haben Zugang zu allen Ressourcen und sind in Führungspositionen mit Entscheidungsgewalt gleichberechtigt mit Männern vertreten? Keine Frau lebt in Angst vor Gewalt? Seit 100 Jahren engagiert sich Zonta dafür, dass wir die Fragezeichen hinter diesen Grundrechten endlich durch Punkte ersetzen können. Es ist ein langer Weg.

Das Zeitalter der Frau

Ein Jahr nach Ende des ersten Weltkrieges, in den am 6. April 1917 unter Präsident Woodrow Wilson zuletzt auch die USA eingetreten waren, gründet die US-amerikanische Dramaturgin und Journalistin Marian de Forest am 8. November 1919 gemeinsam mit ihren Mitstreiterinnen in Buffalo, New York, die Confederation der Zonta Clubs. Kurz zuvor war im Juni nach Jahrzehnten des Frauenprotests endlich der 19. Verfassungszusatz verabschiedet worden, der ab 1920 allen Frauen in den Vereinigten Staaten das Wahlrecht garantieren sollte. Ehrenhaft, integer und glaubwürdig – so die Bedeutung des aus dem Lakota, einer Sprache der Sioux-Familie, entliehenen Namens Zonta – will die Confederation zu einer Zukunft in Frieden und Wohlstand überall auf der Welt beitragen und gezielt Frauen und Mädchen unterstützen. Von Marian de Forest ist dazu folgender Satz überliefert. „Das ist das Zeitalter der Frau, und in fernen Ländern und fremden Ländern folgen Frauen aller Nationen seinem Ruf. Zonta ist die Chance gegeben, sie zu einem großen, herrlichen Ganzen zu vereinen.“

Ein internationales Netzwerk entsteht

In den kommenden Jahren formiert sich in den USA ein Zonta-Club nach dem anderen. 1921 findet in Syracruse die erste Zonta Convention statt. 1923 fördert die Confederation ihr erstes internationales Projekt. Es kommt Waisenkindern und Frauen im damaligen Smyrna zugute, allesamt Leidtragende des griechisch-türkischen Krieges, der im September 1922 nach dem Rückzug der griechischen Armee in der heutigen Millionenstadt Izmir mit einem Massaker zu Ende gegangen war. 1927 gründen Frauen im kanadischen Toronto den ersten Club außerhalb der USA. 1930 wird der erste Zonta Club in Wien gegründet.

1931 folgt in Hamburg der erste Club in Deutschland. Die Confederation der Zonta Clubs hat sich inzwischen in Zonta International umbenannt. Ab 1933 sorgt die nationalsozialistische Diktatur für eine der schlimmsten Zäsuren in der Geschichte des Frauennetzwerkes. Magdalena Schoch, Gründungspräsidentin des Hamburger Clubs, gehört zu den jüdischen Zontians, denen die Flucht ins Exil gelingt. Erst mit der Gründung der Bundesrepublik nach dem zweiten Weltkrieg kann der Hamburger Club auf ihre Initiative hin seine Aktivität wieder aufnehmen.

Advocacy, Service and Education

1935 schreibt sich Zonta International das gemeinsame Ziel auf die Fahnen, den rechtlichen, politischen, wirtschaftlichen und beruflichen Status der Frau verbessern. „Advocacy“, „Service“ und „Education“ lauten die Schlüsselaktivitäten dazu. Bis heute hat das Priorität. Zahlreiche Wegbereiterinnen haben als Zontians ihre Spuren in der hundertjährigen Geschichte des internationalen Frauennetzwerkes hinterlassen. Darunter die 1937 verschollene US-amerikanische Flugpionierin Amelia Earhart, Namensgeberin des Stipendiums, das Zonta International seit 1938 an herausragende weibliche Talente in der Luft- und Raumfahrttechnik verleiht, ebenso wie die Finnin Helvi Sipilä, die 1972 als erste Frau zur stellvertretenden Generalsekretärin der Vereinten Nationen gewählt wurde.

Finanzielles und ideelles Engagement

Rund um den Globus vereint Zonta International heute rund 29.000 berufstätige Frauen in 63 Ländern und 1.200 Zonta-Clubs. Allein in Deutschland engagieren sich rund 4.600 Mitglieder in 136 Clubs für die Rechte von Frauen und Mädchen. Auch finanziell. So flossen etwa im vergangenen Jahr 6,5 Millionen US-Dollar in lokale Projekte. Zonta International vergibt zudem zahlreiche Auszeichnungen und Stipendien zur Förderung begabter Frauen und Mädchen und hat bis heute mehr als 20 Millionen US-Dollar in internationale Projekte investiert. Zu den wichtigsten Förderanliegen des überparteilichen und überreligiösen NGOs zählt im Jahr seines 100-jährigen Bestehens unter der Präsidentschaft der ersten deutschen Zonta International President Susanne von Bassewitz die Beendigung der Kinderehe. Mit Fördermitteln in Höhe von zwei Millionen US-Dollar unterstützt Zonta International derzeit als erster zivilgesellschaftlicher Partner das von UNICEF und UNFPA gemeinsam initiierte globale Programm zur Beendigung von Kinderheiraten.

Mission accomplished?

Marian de Forests Vision hat sich in Teilen erfüllt. Zonta vereint Frauen zahlreicher Länder und Nationen, die gemeinsam jenem Ruf folgen, der zur Zeit seiner Gründung schon so lange in der Luft lag. Die 1981 in Kraft getretene UN-Frauenrechtskonvention CEDAW (Convention on the Elimination of All Forms of Discrimination Against Women), die 1995 in Peking von 189 Staaten verabschiedete Aktionsplattform und ihre Folgeresolutionen markieren wichtige Meilensteine auf diesem Weg. Mit ihnen ist es der internationalen Frauenbewegung endlich gelungen, das Ziel der Geschlechtergerechtigkeit weltweit als notwendige Bedingung für gesellschaftliche Entwicklung, friedliches Zusammenleben und wirtschaftlichen Wohlstand zu etablieren. Doch es bleibt viel zu tun. Mit Nachdruck leistet Zonta International daher auch weiterhin seinen Beitrag zur Umsetzung des mit dem Sustainable Development Goal 5 weltweit für alle Staaten verabredeten Ziels der Geschlechtergerechtigkeit.

Hier die Centennial-Botschaft von Zonta International President Susanne von Bassewitz.